Forschungsworkshop “Bild, Erzählung, Erinnerung”

Termine: 23.10.; 25.-26.10 2013

Ein Desiderat der Erinnerungsforschung ist die Differenzierung der Art und Weise, wie verschiedene Medien Sinn mitkonstituieren und unter welchen Vorraussetzungen sie mit welchen Darstellungsmodi interagieren. Was sind die sozialen oder kulturellen Umstände, in denen Visualität und Erzählung eine sinnstiftende Verbindung eingehen?

Das Zusammenwirken von visuellen Medien und schriftlichem Erzählen, so die Untersuchungsidee des beantragten Workshops, scheint im Kontext der Konstruktion kollektiver Erinnerung eine besondere Rolle zu spielen. Hier wäre als Beispiel das Historienbild und dessen literarische Bearbeitung mit dem Ziel der Stärkung nationaler Identität zu nennen, oder das Begreifbarmachen ökonomischer „Krisen“ im Modus des Diagrammatischen. Narrative, durch die im Sinne von Hirschs postmemory die personalen Erinnerungen vorangegangener Generationen einverleibt werden, kommen ohne die affektive Wirkung des Familienbildes nicht aus. In fiktionalen Narrativen werden visuelle Zeugnisse genutzt, die als Knotenpunkt von Erzählungen eingesetzt werden, als Außen- oder intertextuelle Referenzen. Gerade in Interferenzbereichen zwischen „realreferentieller“, also faktualer, und fiktionaler Narration zeigt sich das Ensemble von Visualität und Text als Bedeutungszusammenhang. Dies gilt verstärkt für Konventionen, mit Hilfe derer wir kollektive Erinnerung und kollektiven Sinn konstruieren. Wenn zusätzlich Räume, die zum Zweck einer gewissen „Narration“ Bilder versammeln und daher hochgradig artifiziell sind, etwa als faktuale Referenzpunkte in Fiktionen aufgerufen werden, erscheint uns die Idee des Erzählens durch und mit visuellen Medien als mehrfach in sich gewendetes Unterfangen, das eine genaue Untersuchung erfordert.

Der Workshop fragt so nach den Voraussetzungen der Inszenierung visueller Medien in Narrationen – stellen diese Medien in besonderem Maße Interferenzen zwischen faktualer und fiktionaler Erzählung her?

Im Forschungsworkshop soll mit Fokus auf visuelle Medien als Knotenpunkte von Erzählungen bewußt eine spezifische intermediale Konstellation herausgelöst und untersucht werden.

Programm unter: GRK Erzählen

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